Paul Lechler Preis 2011

Festveranstaltung mit Landesbischof Dr. Frank Otfried July am 10. Februar 2011 im Haus der Architekten in Stuttgart

Seit nunmehr drei Jahren wird der Paul Lechler-Preis ausgelobt. Mit diesem Preis sollen Projekte, Vorhaben und Maßnahmen zur Integration, Selbstbestimmung und Teilhabe behinderter und benachteiligter Menschen ausgezeichnet werden. In diesem Jahr nun stand das gemeinsame Lernen im Mittelpunkt und das aus gutem Grund.

Im Jahr 2009 hat sich nämlich die Bundesrepublik Deutschland zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet. Mit dieser Konvention wird das Recht auf Bildung und Partizipation von jungen Menschen mit Behinderungen unterstrichen. Das Land Baden-Württemberg plant vor diesem Hintergrund die Pflicht zum Besuch der Sonderschule aufzuheben. Vielmehr sollen für jedes Kind passgenaue, am Einzelfall und am Elternwillen orientierte Lösungen angeboten werden.

Dazu ist es erforderlich, dass das Netzwerk zwischen allgemeinen Schulen und den Sonderschulen weiter ausgebaut und die Aus- und Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer den geänderten Gegebenheiten angepasst werden. Die erforderliche Änderung des Schulgesetzes ist für das Schuljahr 2013/14 vorgesehen.

Vor diesem Hintergrund sind inklusive Bildungsangebote an baden-württembergischen Grundschulen noch weiter auszubauen. Am 8. Februar besuchte Frau Kultusministerin Prof. Dr. Marion Schick die Eichendorff-Schule in Stuttgart-Bad Cannstatt. Dabei sagte sie wörtlich: „Es darf keine Schule im Land geben, die sagt, ich habe mit dem Thema Inklusion nichts zu tun“. Vor diesem Hintergrund ist es sehr erfreulich, dass doch schon eine ganze Anzahl von Schulen auf diesem Gebiet frühzeitig und aus eigenem Antrieb initiativ geworden sind.

Paul Lechler-Preis 2011 geht an die Torwiesenschule der Diakonie Stetten in Stuttgart und an die Heinrich Schickhardt- und die Blumhardt-Schule in Bad Boll

Für den Paul Lechler-Preis 2011 haben sich 24 Schulen mit ganz unterschiedlichen Beiträgen beworben, mit denen sich die Jury zu beschäftigen hatte. Die Jury legte übereinstimmend fest, dass der Paul Lechler-Preis 2011 geteilt wird und an die Torwiesenschule der Diakonie Stuttgart und an die Heinrich-Schickhardt- und die Blumhardt-Schule in Bad Boll gehen soll. Diese Schulen erhalten neben dem Preisgeld in Höhe von 25.000,– Euro jeweils noch den beantragten Geldbetrag zur Umsetzung der von ihnen geplanten Maßnahmen auf dem Gebiet der Inklusion.
 
Vertreter der Gewinnerschulen des Paul Lechler Preises 2011, mit Herrn Walter Herwarth Lechler

Vertreter der Gewinnerschulen des Paul Lechler Preises 2011, mit Herrn Walter Herwarth Lechler
 
Weitere sieben Schulen im Land erhalten Stiftungsmittel

Die Paul Lechler-Stiftung will auch die Bemühungen anderer Schulen im Land auf dem Weg zu „einer Schule für alle“ ideell anerkennen und finanziell fördern und stellt hierfür rund 200.000,– Euro zur Verfügung. Geldbeträge wurden bereits bewilligt für:

  • die Albert-Schweitzer-Schule in Stuttgart
  • die Astrid-Lindgren-Schule in Ladenburg
  • die Burghofschule in Ofterdingen
  • die Förderschule in Waldkirch
  • die Franziska-Höll-Schule in Bühlertal
  • die Grundschule in Sulzdorf
  • die Gutenbergschule in Riederich
  • die Klosterhofschule in Ostfilldern
  • die Sonnenhofschule in Schwäbisch Hall
  • die Uhland Grund- und Förderschule in Pfullingen und
  • die Vogesenschule in Karlsruhe

Feierliche Preisverleihung in Stuttgart

Am Nachmittag des 10. Februar 2011 fand im Haus der Architekten in feierlichem Rahmen die Preisverleihung statt, an der neben den beiden Preisträgern auch Vertreter der Schulen teilnahmen, deren Projekte mit Stiftungsmitteln gefördert werden. Nach der Begrüßung der 100 Gäste, unter ihnen auch der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und die Bürgermeisterin für Bildung, Kultur und Sport der Landeshauptstadt Stuttgart, durch den Geschäftsführer der Stiftung, Dieter Hauswirth, stellte Herr Walter Herwarth Lechler, Urenkel des Stiftungsgründers und Kuratoriumsvorsitzender der Paul Lechler-Stiftung in eindrucksvoller Weise Leben und Werk von Dr. h.c. Paul Lechler, das seiner Nachkommen und die 135jährige Geschichte der Stiftung vor.
 
Herr Dieter Hauswirth, Geschäftsführer der Paul Lechler Stiftung

Herr Dieter Hauswirth, Geschäftsführer der Paul Lechler Stiftung
 
Herr Walter Herwarth Lechler, Vorsitzender des Kuratoriums der Paul Lechler Stiftung

Herr Walter Herwarth Lechler, Vorsitzender des Kuratoriums der Paul Lechler Stiftung
 
In seiner Festansprache würdigte Landesbischof Dr. Frank Otfried July das segensreiche Wirken von Paul Lechler und seiner Stiftung und bezeichnete das Thema Inklusion als große Gemeinschaftsaufgabe unserer Gesellschaft, für die es ebenso Beharrlichkeit wie Geduld benötige. Frau Bürgermeisterin Dr. Susanne Eisenmann betonte, dass sich die Stadt Stuttgart als größter Schulträger im Land ihrer besonderen Verpflichtung auf dem langen Weg zu „einer Schule für alle“ bewusst sei und gab ihrer Freude darüber Ausdruck, dass die Torwiesenschule zu den Preisträgern gehört. Launig bezeichnete sie die Preisträgerschule als „meine Schule“, obwohl sie unter der Trägerschaft der Diakonie Stetten steht, aber eben in Stuttgart liegt.
 
Herr Dr. Frank Otfried July, Landesbischof

Herr Dr. Frank Otfried July, Landesbischof
 
Frau Dr. Susanne Eisenmann, Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport der Landeshauptstadt Stuttgart

Frau Dr. Susanne Eisenmann, Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport der Landeshauptstadt Stuttgart
 
Prof. Dr. Andreas Hinz von der Universität Halle-Wittenberg beleuchtete das Thema Inklusion und trug seine Thesen hierzu allgemein verständlich und humorvoll vor. In seinen Laudationes auf die Preisträger bezeichnete er sowohl die Torwiesenschule in Stuttgart als auch die Heinrich Schickhardt- und die Blumhardt-Schule in Bad Boll als „Leuchttürme“ auf dem langen und noch schwierigen Weg der Inklusion.

Gerne gehört hat dies auch Herr Ministerialrat Sören Asmussen, der das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg vertrat. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Jungen Kammerchor der Musikschule Böblingen, dessen gelungene Chorvorträge unter der Leitung von Clemens König wahre Beifallsstürme auslösten. Beeindruckt, berührt, ja zu Tränen gerührt haben die Tanzeinlagen von Laura Brückmann, einer 19 Jahre alten, lebenslustigen, tänzerisch talentierten und mit dem Down-Syndrom geborenen jungen Frau, die von ihrem Vater Rainer Brückmann einfühlsam und liebevoll mit verschiedenen Instrumenten musikalisch begleitet wurde.
 
Junger Kammerchor Böblingen, unter der Leitung von Herrn Clemens König

Junger Kammerchor Böblingen, unter der Leitung von Herrn Clemens König
 
Frau Laura Brückmann mit Ihrem Vater Rainer Brückmann

Frau Laura Brückmann mit Ihrem Vater Rainer Brückmann
 
Frau Laura Brückmann mit Ihrem Vater Rainer Brückmann