Der Stifter

Paul Lechler

Leben und Wirken von Dr. med. h.c. Paul Lechler.
Erfolgreicher Großkaufmann und Unternehmer, angesehener Sozialreformer und überzeugter Christ.
Gründer der Lechler Unternehmen.

1849

Paul Lechler wurde 1849 in Böblingen als einziges Kind des Apothekers Christian Lechler und dessen Ehefrau Emilie geboren.

1871

1871 trat er in die väterliche Firma „Christian Lechler und Sohn“, Lack- und Firnisfabrik in Stuttgart ein, die Dank seines Geschickes bald zu einem erfolgreichen Unternehmen heranwuchs. Eine glänzende Karriere und ein Leben in Wohlstand schienen gesichert, doch die alleinige Arbeit eines Unternehmers stellte Paul Lechler nicht zufrieden. Deutlich erkannte er die soziale Wirklichkeit der Fabrikarbeiter, die meist in Armut lebten. Es gab keine Arbeitsämter, keine Sozialversicherung, und wenn der Ernährer einer Familie krank wurde, bedeutete dies große Not für die ganze Familie. Paul Lechler spürte, dass seine Begabung und sein Erfolg für ihn zugleich Gabe und Aufgabe waren. Er wollte bewusst soziale Verantwortung wahrnehmen.

1875

1875 heiratete er Maria Hartenstein, mit der er 6 Kinder hatte. Im gleichen Jahr vereinbarte er mit seinem Vater, 10 % seines „Geschäftsnutzens zugunsten der Armen und Bedürftigen jeder Art“ zu verwenden.

1878

1878 verkaufte Paul Lechler seine Firma den leitenden Angestellten, um sich zunehmend sozialen Aufgaben zu widmen. In der Folgezeit war er ehrenamtlich als Armenpfleger in Stuttgart tätig, gründete aber bereits nach einem Jahr erneut ein Unternehmen, die Firma Paul Lechler. Diese handelte mit verschiedenen Produkten wie Schmieröl aus Russland und Amerika sowie dem Holzschutzmittel „Carbolineum“. Später kam der Schutzanstrich „Inertol“ hinzu. Als technische Produkte wurden Dichtungen und Flüssigkeitszerstäuber ins Programm aufgenommen. Schwierigkeiten der Beschaffung um die Zeit des ersten Weltkrieges führten zum Entschluss, für alle Produktgruppen eigene Fabriken zu errichten.

1882

Um der oft großen Not in armen Familien in ländlichen Regionen zu begegnen, gründete Paul Lechler 1882 den Verein zur „Hilfe in außerordentlichen Notstandsfällen auf dem Lande“. Dieser Verein leistet heute noch Hilfe in gleicher unbürokratischer Weise.

Neben seinem persönlichen sozialen Engagement setzte Paul Lechler sich für soziale Reformen auf verschiedenen Gebieten ein.

So rief er 1882 die erste private Arbeitsver­mittlung in Stuttgart ins Leben, ein „Büro zur unentgeltlichen Arbeitsvermittlung“, das er selbst 11 Jahre leitete und finanzierte.

Paul Lechler gilt auch als ein Pionier des sozialen Wohnungsbaus und der Bausparkasse. Er verfasste Denkschriften zur Reform des Armenrechts und für eine umfassende nationale Wohnungsreform, machte Vorschläge für den Bau gesunder und preiswerter kleiner Wohnungen sowie für deren Finanzierung und die Entfaltung einer gemeinnützigen Bautätigkeit.

Stuttgart verdankt ihm unter anderem das frühere Martinshaus samt Kapelle und einer Kinderschule auf der Prag, das Reformationsdenkmal an der Hospitalkirche und den „Knabenchor Hymnus“.

1890

1890 kaufte und stiftete Paul Lechler das Palmenwald-Gelände in Freudenstadt, damit die evangelische Diakonissenanstalt dort ein Erholungsheim für ihre Schwestern einrichten konnte. Für die Errichtung eines christlichen Hotels initiierte er die gemeinnützige Aktiengesellschaft „Kurhaus Palmenwald“ und gründete in der Folge die Stiftung evang. Erholungsheim, ein Hotel für mittlere Einkommensschichten.

1898

Zur Verbesserung der Ausbildung von Missionsärzten und zur tropenmedizinischen Schulung von Missionaren entstand auf seine Initiative 1898 der „Verein für ärztliche Mission“ und in dessen Folge 1906 in Tübingen das „Deutsche Institut für ärztliche Mission“ (DIFÄM), heute als „Weltapotheke“ bekannt. 1916 wurde das Paul-Lechler-Krankenhaus errichtet. Für diese Gründungen stellte Paul Lechler die Grundstücke zur Verfügung, nahm anfangs deren Organisation in seine Hände und begleitete diese Werke als Vorsitzender der Aufsichtsgremien bis zu seinem Tod.

1909

Paul Lechler wurde für sein Lebenswerk hoch geehrt. So wurden ihm 1909 der Preußische und Württembergische Kronorden und im gleichen Jahr von der medizinischen Fakultät Tübingen die Ehrendoktorwürde verliehen.

1925

Am 24. April 1925 starb Paul Lechler, dessen Name wohl zu Recht als erfolgreicher Unternehmer, Sozialreformer und Wohltäter seiner Zeit genannt werden darf.